„Meeting“ übersetzt als „treffend“

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Die Arena der Moderne ruft zum Kampf der Gladiatoren.
Die Arena der Moderne ruft zum Kampf der Gladiatoren.

Montag, 09.00 Uhr. Der Blick in den Kalender verrät mir: ein Meeting steht an. Geplant hat der Organisator von 10.00 bis 14.00 Uhr. Vier Stunden, 240 Minuten. Autsch.

Vermeintlich intelligente Menschen investieren das Kostbarste überhaupt, nämlich Zeit und treffen sich in der Kampfbahn der Moderne: dem Konferenzraum.

Kurz rechne ich nach: An einem guten Tag in Geld ausgedrückt kostet mich das Meeting etwas über 700 EUR, die ich nicht einnehmen kann. In Lebensqualität für mich als Meeting-Muffel ist die Zeit jedoch mit Geld nicht aufzuwiegen.

Ich bin nicht der Organisator und schaue in die Agenda. Sie wird mittels 22 Wörtern für drei Themen in zwei Halbsätzen kommuniziert. Immerhin sind Start- bzw. Endzeit genannt und ein zweiter Referent ist benannt.

In einem Meeting gibt es verschiedene Rollen, die Teilnehmer einnehmen.
In einem Meeting gibt es verschiedene Rollen, die Teilnehmer einnehmen.

Anwesend werden 75% der eingeladenen Teilnehmer sein. Pünktlich sitzen davon ebenfalls nur 75% am Tisch. Der Rest schlurft etwas bis deutlich später mit bzw. ohne Anklopfen in den Raum mit mehr oder weniger originellen Entschuldigungen (sprich: Ausreden).

Thema 1 wird vom Organisator referiert. Verwendet wird zu über 90% Sprache ohne Visualisierung. Anschließend erfolgt eine ziellose Diskussion, die Smartphones sind mittlerweile richtig warm und (immerhin) nacheinander besuchen drei Teilnehmer die Toiletten. Gegen 11.30 wird zum nächsten Punkt gegangen.

Thema 2 wird als „Follow-up“ zum letzten Meeting vor vier Wochen von einem anderen Referent vorgetragen. Weder er noch die anderen Teilnehmer haben sich um Nach- und Vorbereitung gekümmert. Er verwendet aber optisch steigerungsfähige Folien zur Visualisierung und „ähmt“ sich mit wilden Augenbewegungen durch seinen Vortrag. Anschließend erfolgt eine ziellose Diskussion. Zwei Teilnehmer wissen es besser und der Referent wirkt genervt.

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Daumen hoch oder Daumen runter? Auch durch Schweigen entscheiden die Teilnehmer.

Thema 3 beginnt um 13.00 Uhr und verläuft ohne Zwischenfälle, weil es rein informellen Charakters ist. Um 13.45 Uhr fällt einem der Anwesenden noch etwas zu Thema 1 ein und er nutzt die letzten Minuten, die die Stimmung endgültig auf den Nullpunkt bringen.

Um 14.15 Uhr wünscht der Organisator eine gute Woche und der Raum leert sich in Windeseile. Es gibt kein Protokoll und nur einen ganz kurzen Ausblick auf das nächste Mal. Drei Teilnehmer gehen essen, um sich noch einmal richtig „heiß“ zu machen, der Rest verschwindet in seinen Büros.

Und ich? Inhaltlich habe ich nicht viel mitgenommen, der Organisator tut mir leid und zwei Teilnehmer kann ich noch weniger leiden als vorher. Aber ich habe alle Mails beantwortet, WhatsApp ist komplett abgearbeitet und ich habe eine neue Geschäftsidee. Mehr dazu zu gegebener Zeit.

„Meeting“ übersetzt als „treffend“? Getroffen hat es höchstens meine blank liegenden Nerven, aber nicht „des Pudels Kern“. Ihr kennt solche Meetings? Sendet mir eure Geschichten und gern auch Erfolgserlebnisse, wenn ihr etwas daran verbessern konntet!

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